BMW erneuert die Ikone. Der 3er greift in Details die Optik der Neuen Klasse auf, rollt mit Verbrennern, als Plug-in-Hybrid und erstmals auch rein elektrisch angetrieben an.
Von Wolfgang Schäffer
Eines vorweg: Die Designer haben bei der neuen Generation des 3ers an der unverwechselbaren Linienführung des BMW-Bestsellers festgehalten. Das gilt vor allem für die Silhouette mit dem langen Radstand und den daraus resultierenden kurzen Überhängen, die ausgeprägte Schulterpartie sowie die muskulösen Radhäuser. Front- und Heckpartie indessen sind auf die Neue Klasse zugeschnitten. Die typische BMW-Niere ist ebenso wie die Scheinwerfer komplett neu gezeichnet. Die Doppelscheinwerfer gehen dabei fast ansatzlos in die Niere über, bilden eine Einheit. Die im Studio gezeigte Variante M350 xDrive hat als Performance-Erkennungsmerkmal aus dem Motorsport übernommene gelbe Tagfahr-Lichter. Am Heck untersteichen die schmalen und fast bis in die Mitte der Kofferraumklappe reichenden Rücklichter die Breite der BMW-Ikone.




Im Innenraum wird der Einfluss der Neuen Klasse mehr als deutlich. Im neuen 3er hält das bereits aus dem iX3 bekannte Panoramic Vision Einzug. Über die gesamte Breite der Frontscheibe werden auf einem schmalen Band am unteren Rand relevante Fahrdaten projiziert. Leider und nicht wirklich zu verstehen ist, dass BMW ein Head-up-Display lediglich als Option und nicht in Serie anbietet. Immer verbaut hingegen ist ein 17,9 Zoll großes Zentraldisplay, das auf den Platz am Steuer ausgerichtet ist.
Serienmäßig sind auch elektrisch verstellbare Vordersitze mit Memory-Funktion. Die hinterlassen nach einer ersten kurzen Sitzprobe im Topmodell einen komfortablen Eindruck. Die in diesem Fall ausgeprägten Seitenwangen dürften auch bei flotter Kurvenfahrt einen guten Halt geben.
Generell sind bei allen Antriebsvarianten die Lehnen der Rückbank im Verhältnis 40:20:40 geteilt umklappbar. Das bietet mehr Variabilität beim Beladen und erhöht so die Alltagstauglichkeit. Die Kapazität des Laderaums beträgt bei den Verbrennern 450, bei der Elektrovariante 420 Liter. Der i3 aber hat zudem ein 31 Liter großes Staufach (Frunk) unter der vorderen Haube. Bei den Abmessungen gibt es nur minimale Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Antriebsversionen. Die Länge von 4,76 Metern ist identisch. In der Breite ist der i3 mit 1,87 Metern um zwei Zentimeter breiter als die Verbrenner, in der Höhe misst er mit 1,48 Metern zwei Zentimeter mehr.
Einstieg in die 3er-Welt ist vom Marktstart an der BMW 318. Der Zweiliter-Vierzylinder-Twin-Turbo leistet 115 kW (156 PS). Der BMW 320 ist wie der 318 mit 48-Volt-Mildhybrid-Technologie ausgestattet. Der Zweiliter-Motor leistet in diesem Fall 155 kW (211 PS) und überträgt seine Kraft ebenfalls über eine Achtgang-Automatik auf die Hinterachse. An der Spitze der Palette steht der M350 xDrive mit Allradantrieb und einem Dreiliter-Sechszylinder. Das Aggregat leistet 313 kW (426 PS). Wer sich für einen Plug-in-Hybrid interessiert, muss sich noch gedulden. Zu technischen Daten und Markteinführung hält sich BMW noch bedeckt.
Wer sich aber für einen 3er mit Elektroantrieb entscheidet hat die Wahl zwischen zwei Modellen. Die Elektromotoren im i3 40 xDrive bieten vorne eine Spitzenleistung von 123 kW (167 PS) und hinten von 195 kW (256 PS). Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Netto-Kapazität von 82,8 kWh. Das soll bei einem Norm-Verbrauch von 17,9 kWh eine Reichweite von 566 Kilometern ermöglichen. Geladen werden kann aufgrund der 800-Volt-Technologie mit bis zu 300 kW. In 21 Minuten wächst dann der Stromvorrat im Akku von zehn auf 80 Prozent. Acht Stunden und 15 Minuten dauert es an der Wallbox mit elf kW, vier Stunden weniger sind es, wenn der optionale On-Board-Lader 22 kW an der entsprechenden Ladestation angeschlossen ist, um den Akku von Null auf 100 Prozent zu laden.
Der i3 50 xDrive hat eine DC-Ladeperformance von bis zu 400 kW. Verbaut ist hier eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 108,7 kWh. Das reicht bei einem Normverbrauch von 18 kWh laut BMW für eine Reichweite von bis zu 729 Kilometern. Hier dauert es ebenfalls 21 Minuten an einer entsprechenden DC-Ladesäule, um den Akku von zehn auf 80 Prozent mit Strom zu versorgen. Elf Stunden müssen an der Elf-kW-Wallbox, fünfeinhalb Stunden an einer 22-kW-Anlage gerechnet werden. Die E-Maschinen leisten vorne 123 kW (167 PS) und hinten 240 kW (326 PS). Preislich startet der i3 bei 65.900 Euro. Die „First Edition“, die unter anderem das M Sportpaket enthält, kostet 75.340 Euro und damit kommen wir nun zum aktuellen Top-Modell.
BMW M350 xDrive
Von Jens Stratmann
Unter der Haube steckt tatsächlich weiterhin das, was viele mit einem sportlichen BMW verbinden: ein 3,0 Liter großer Reihensechszylinder-Benziner mit TwinPower-Turbo-Technik, kombiniert mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem, einer 8-Gang-Steptronic und dem Allradantrieb xDrive.
Der Verbrennungsmotor allein leistet 313 kW, also 426 PS, und stellt maximal 540 Newtonmeter bereit. Dazu kommt ein in das Getriebe integrierter Elektromotor mit 13 kW beziehungsweise 18 PS und bis zu 200 Newtonmetern. Wichtig dabei: Das darf natürlich nicht einfach zusammengerechnet werden. BMW gibt für das Gesamtsystem 326 kW beziehungsweise 443 PS und 580 Newtonmeter maximales Drehmoment an.
Damit schiebt der neue M350 xDrive schon ziemlich ernsthaft an: 0 auf 100 km/h dauern 4,1 Sekunden, bei 250 km/h wird elektronisch Schluss gemacht. Und weil auch ein über 440 PS starker Reihensechszylinder inzwischen zeigen muss, dass er zumindest auf dem Papier etwas von Effizienz versteht, liegt der kombinierte WLTP-Verbrauch je nach Konfiguration zwischen 7,5 und 8,2 Litern auf 100 Kilometer. Nach Pkw-EnVKV nennt BMW 8,2 Liter, entsprechend 187 Gramm CO₂ pro Kilometer und CO₂-Klasse G.











Bei den Abmessungen bleibt der M350 ein klassischer Mittelklasse-Sportler und wird trotzdem nicht gerade klein: 4,765 Meter lang, 1,850 Meter breit und 1,455 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,860 Meter. Leer bringt der M350 nach DIN 1.860 Kilogramm auf die Waage, nach EU-Norm sind es 1.935 Kilogramm. Die mögliche Zuladung beträgt 560 Kilogramm. Im Kofferraum stehen 450 Liter zur Verfügung, der Tank fasst rund 59 Liter. Und sogar für die Anhängerfraktion ist der M350 brauchbar: 1.800 Kilogramm gebremst und 750 Kilogramm ungebremst darf er ziehen. Dachlast und Stützlast liegen jeweils bei 75 Kilogramm.
Zur Serienausstattung gehört beim M350 außerdem das Adaptive M Fahrwerk, dazu gibt es die variable Sportlenkung und vorne Vierkolben-Festsattelbremsen. Serienmäßig rollt er vorne auf 245/40 R19, hinten auf 255/40 R19.
Und BMW hat dem neuen M350 xDrive noch ein kleines Spielzeug spendiert, das wir bisher eher aus den ausgewachsenen M-Modellen kennen: den sogenannten Drift Moment. Über das Zentraldisplay lässt sich die Antriebskraft vollständig auf die Hinterräder verlagern. Aus dem Allradler wird damit auf Wunsch also ein Auto, bei dem die Hinterachse deutlich mehr Unterhaltungsauftrag bekommt. BMW spricht ganz offiziell von „maximaler Freude am Querfahren“ … und im Video könnt ihr den 6-Zylinder sogar hören:
BMW M350 xDrive Video inklusive Sound-Check
Und ganz billig ist der Spaß erwartungsgemäß nicht: Der neue BMW M350 xDrive startet in Deutschland bei 80.900 Euro. Dafür gibt es 443 PS, Reihensechszylinder, Allrad und 4,1 Sekunden von null auf 100. Kleine interessante Randnotiz: Der i3 50 xDrive mit 469 PS kostet ab 65.900 Euro und ist damit auf dem Papier satte 15.000 Euro günstiger als der M350. Wir leben in interessanten Zeiten, oder?






