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Aston Martin Vantage S: Der britische Donnerschlag

2026 Aston Martin Vantage S Fahrbericht

Der Morgen hängt noch kühl über den Hügeln, zwischen dem Schwarzwald und der schwäbischen Alb, als der Aston Martin Vantage S langsam aus der Garage rollt. Ein kurzer Druck auf den Starterknopf und mit einem trockenen, tiefen Grollen meldet sich der 4,0-Liter-V8 zu Wort. Kein überinszeniertes Theater, kein künstlicher Sound. Stattdessen ein ehrlicher, mechanischer Puls, der sofort klarmacht: Hier geht es um mehr als nur Leistung. Hier geht es um Haltung und Emotion, nicht um Perfektion, die bei direkten Mitbewerbern wie dem Porsche 911 schnell auch zur Langeweile führen kann.

von Wolfgang Wieland

680 PS. Eine Zahl, die im Datenblatt beeindruckt, auf der Straße aber eine völlig neue Dimension annimmt. Der überarbeitete Biturbo-Achtender, intern weiterentwickelt und fein abgestimmt, liefert seine Kraft mit einer Intensität ab, die selbst erfahrene Fahrer kurz innehalten lässt. Rund 800 Newtonmeter Drehmoment liegen früh an, schieben den Vantage S mit unbarmherziger Konsequenz nach vorn. Der Sprint auf 100 km/h vergeht in weniger als 3,5 Sekunden, doch es ist nicht die Beschleunigung selbst, die beeindruckt, es ist die Art, wie sie passiert.

Die Gasannahme wirkt geschärft, beinahe elektrisiert. Jede Bewegung des rechten Fußes wird unmittelbar umgesetzt, ohne Verzögerung, ohne Filter. Das Triebwerk dreht freudig hoch, begleitet von einem Klangbild, das sich zwischen kehligem Donnern und metallischem Fauchen bewegt. Besonders in den schärferen Fahrmodi öffnet die Abgasanlage hörbar ihre Klappen, lässt den V8 freier atmen und verleiht dem Fahrer das Gefühl, mitten im mechanischen Geschehen zu sitzen.

2026 Aston Martin Vantage S Video

Die Achtgang-Automatik, weiterhin ein Wandlergetriebe, wurde für den Vantage S spürbar nachgeschärft. Im Sport-Plus-Modus erfolgen Gangwechsel mit einer fast brutalen Direktheit, die man eher von Doppelkupplungsgetrieben kennt. Jeder Schaltvorgang ist bewusst gesetzt, merklich im Rücken, begleitet von einem kurzen Aufbäumen des Motors. Im Alltag dagegen bleibt das Getriebe kultiviert, fast schon unauffällig, ein bemerkenswerter Spagat zwischen Komfort und kompromissloser Sportlichkeit.

Doch der eigentliche Charakter des Vantage S offenbart sich nicht auf der Geraden, sondern in der Kurve. Hier zeigt sich, wie tiefgreifend Aston Martin das Fahrwerk überarbeitet hat. Die adaptiven Dämpfer wurden neu abgestimmt, die Federraten angepasst, die Vorderachse präzisiert. Das Ergebnis ist ein Einlenkverhalten, das messerscharf wirkt, ohne künstlich überzogen zu sein. Die Lenkung arbeitet direkter, vermittelt feinste Rückmeldungen von der Straße. Kleine Unebenheiten, Gripwechsel, beginnende Schlupfgrenzen, alles wird transparent, ohne jemals nervös zu wirken. Der Vantage S fordert Aufmerksamkeit, belohnt aber gleichzeitig mit einem außergewöhnlichen Maß an Kontrolle.

Aston Martin Vantage S Fotos

Bemerkenswert ist dabei, wie leichtfüßig sich der rund 1,7 Tonnen schwere Sportwagen bewegen lässt. Die nahezu perfekte Gewichtsverteilung, kombiniert mit einem elektronisch geregelten Sperrdifferenzial an der Hinterachse, sorgt für enorme Traktion beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven. Das Heck bleibt dabei stets präsent, leicht verspielt, aber nie unberechenbar. Es ist diese feine Abstimmung zwischen Stabilität und Agilität, die den Vantage S so besonders macht. Auch aerodynamisch hat Aston Martin nachgelegt. Ein neu gestalteter Frontsplitter, größere Lufteinlässe und ein ausgeprägter Heckdiffusor erhöhen den Abtrieb spürbar. Besonders bei hohen Geschwindigkeiten gewinnt der Vantage S an Ruhe, wirkt stoisch stabil und vermittelt selbst jenseits der 250 km/h ein beeindruckendes Sicherheitsgefühl. Die Karosserie scheint sich förmlich in den Asphalt zu krallen.

Optisch bleibt der Vantage seiner Linie treu: kompakt, muskulös, mit klar definierten Proportionen. Doch im Detail zeigt der S seine Eigenständigkeit: schärfer gezeichnete Aerodynamikelemente, dunkle Akzente, exklusive Felgendesigns. Es ist kein radikaler Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung, subtil, aber wirkungsvoll.

Im Innenraum trifft klassische britische Handwerkskunst auf moderne Technologie. Feinstes, duftendes Leder, präzise verarbeitete Ziernähte und großzügig eingesetztes Alcantara, vor allem im Dachhimmel des Coupés, schaffen eine Atmosphäre, die gleichermaßen luxuriös und fahrerorientiert wirkt. Alles ist auf den Fahrer ausgerichtet, ohne überladen zu sein.

Das Infotainment-System wurde grundlegend modernisiert. Schnellere Reaktionszeiten, klarere Menüstrukturen und eine bessere Integration von Smartphone-Funktionen sorgen dafür, dass der Vantage S auch digital auf der Höhe der Zeit ist. Dennoch bleibt der Fokus stets auf dem Wesentlichen: dem Fahrerlebnis. Und genau hier liegt die eigentliche Stärke dieses Fahrzeugs. Der Vantage S ist kein perfektionierter, klinisch steriler Supersportler. Er ist ein Charakterdarsteller, einer, der Emotionen zulässt, der fordert, der auch mal widerspricht. Er lebt von seiner Mechanik, von seinem Klang, von seiner unmittelbaren Art, Geschwindigkeit erlebbar zu machen.

In einer Zeit, in der viele Hochleistungsfahrzeuge zunehmend von eingreifender Elektronik dominiert werden, setzt Aston Martin ein bewusst analoges Gegengewicht. Natürlich ist der Vantage S hochmodern, vollgepackt mit Assistenzsystemen und Fahrdynamikregelungen. Doch er versteckt diese Technik nicht hinter künstlicher Glätte, sondern nutzt sie, um das Fahrerlebnis zu intensivieren.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der sich nicht in Zahlen fassen lässt. Der Vantage S ist kein Auto, das man einfach fährt. Er ist ein Auto, das man erlebt. Jede Kurve, jede Beschleunigung, jedes Zurückschalten wird zu einem bewussten Moment.

Und vielleicht ist es genau das, was ihn so relevant macht. In einer Welt, die sich immer schneller verändert, erinnert der Aston Martin Vantage S daran, warum wir uns überhaupt für Autos begeistern: wegen des Gefühls. Wegen der Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Und wegen dieses einen Moments, wenn der V8 zum Leben erwacht, und alles andere plötzlich nebensächlich wird und drüben auf einfach elektrisch darf er deswegen auch stattfinden: klick

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