Berlin zeigt sich an diesem Tag von seiner besten Seite, viel Sonne, überall gute Laune, das DFB-Pokalfinale findet hier heute Abend statt. Zahlreiche Fans aus München und Stuttgart flanieren Unter den Linden, vorbei am Volkswagen-Standort namens DRIVE. Ein nicht ganz unscheinbar getarntes Vorserienmodell des ID. Polo GTI steht vor den gläsernen Portaltüren. Rot-Weiß-Schwarze Tarnfolie mit großen GTI-Lettern spannt sich über die Karosserie, lässt die Konturen nur erahnen und doch ist allen sofort klar: Hier rollt kein gewöhnlicher Kleinwagen. Der neueste Volkswagen ist vollelektrisch und absolut bereit, die GTI-DNA in ein neues Zeitalter zu führen.
ein Fahrbericht Von Wolfgang Wieland
Schon beim Einsteigen wird deutlich, dass die Wolfsburger den Spagat zwischen Tradition und Zukunft ernst meinen. Straff konturierte Sitze mit dezenten roten Akzenten zitieren den klassischen GTI-Geist, während das Cockpit klar digital geprägt ist. Witziges Gimmick: Armaturen, wie Tacho und Drehzahlmesser können auf Wunsch im Stile der Ur-GTIs aus den 1980er-Jahren dargestellt werden.







Fotos: © VOLKSWAGEN | Dirk Michael Deckbar
Ein Druck auf den Startknopf und statt des vertrauten Grollens herrscht Stille – vorerst. Nur ein leises Surren kündigt an, dass hier wohl extra Leistung bereitsteht. Die Route führt zunächst über die Friedrichstraße, hinein in das Herz der Hauptstadt. Im dichten Stadtverkehr zeigt der ID. Polo GTI sofort seine Stärke: spontanes Ansprechverhalten, präzise Dosierbarkeit und eine Agilität, die man von einem kompakten Elektrofahrzeug dieser Klasse so nicht selbstverständlich erwartet. Jeder Ampelstart gerät zur Demonstration elektrischer Souveränität, kraftvoll, aber nie wirklich aufdringlich.
Am Brandenburger Tor öffnet sich der Verkehr, und die Tarnung wirkt fast wie ein ironischer Kommentar: Ein Fahrzeug, das sich versteckt, aber dennoch alle Blicke auf sich zieht. Die Lenkung präsentiert sich direkt und angenehm straff, ohne Nervosität. Volkswagen scheint hier bewusst den sportlichen Anspruch des GTI nicht dem Komfort geopfert zu haben.
Über den großen Stern hinweg wird das Tempo flüssiger. Jetzt zeigt sich, wie gut das Fahrwerk abgestimmt ist. Der eGTI liegt satt auf der Straße, Unebenheiten werden sauber gefiltert, ohne die Rückmeldung zu verwässern. Besonders im Kreisverkehr rund um die Siegessäule überzeugt die Balance: leichtfüßig, präzise, mit einem Hauch jener Verspieltheit, die man von früheren GTI-Generationen kennt. Der Autor weiß hier mal wirklich, wovon er da redet, er hatte selbst mal zwei Golf GTI der allerersten Generation.
Auf dem Kurfürstendamm schließlich darf der elektrische Antrieb freier atmen. Ein beherzter Tritt aufs Strompedal und der Wagen katapultiert sich nahezu lautlos nach vorn. Die lineare Kraftentfaltung wirkt dabei fast ungewohnt im GTI-Kontext, ersetzt aber das klassische Hochdrehen durch eine unmittelbare, jederzeit verfügbare Dynamik. Es ist ein anderer Charakter, aber keiner, der den sportlichen Anspruch verwässert.
Und jetzt ist aber Schluss mit lautlos, die breite GTI-Sound-Taste, unterhalb des Hupen-Airbag-Balges im Lenkrad, wird gedrückt. Interessant ist dabei die akustische Inszenierung: Volkswagen verzichtet hier auf gekünsteltes Getöse, wie es bei zahlreichen asiatischen Herstellern unangenehm auffällt. Stattdessen bleibt es bei einem GTI-Motorsportlichen Klangbild, das den Fokus klar auf das Fahrerlebnis legt. Eine mutige Entscheidung, die gut zum Gesamtcharakter passt, wir finden es genial, weil man nun auch das akustische GTI-Gefühl hat.
Die letzten Kilometer Richtung Olympiastadion verlaufen wieder ruhiger. Zeit, die Details wirken zu lassen: hochwertige Materialien, eine durchdachte Ergonomie und Assistenzsysteme, die präsent, aber nicht aufdringlich agieren. Der ID. Polo GTI fühlt sich erwachsen an, nicht wie ein Experiment, sondern wie ein konsequent entwickeltes Serienfahrzeug.
Am Olympiastadion angekommen, bleibt vor allem ein Eindruck haften: Volkswagen ist es gelungen, den GTI-Gedanken glaubwürdig in die elektrische Zukunft zu übertragen. Der ID. Polo GTI ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein klarer Schritt nach vorn, auf Wunsch im Innenraum auch leise, aber immer schnell und überraschend emotional.






