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GWM Haval Jolion Pro im Test: Viel Auto fürs Geld oder nur gut geschniegelt?

GWM Haval Jolion Pro im Test: Viel Auto fürs Geld oder nur gut geschniegelt?

Manchmal kommen Fahrzeuge um die Ecke, die man zunächst ein wenig in die Schublade „Preisbrecher mit Fragezeichen“ steckt. Und dann steht man davor, schaut sich die Front an, sieht die ordentlich gemachte LED-Lichtsignatur, die sportlichen Applikationen, die kräftige Schulterlinie und denkt sich: Hoppla, das ist jetzt aber deutlich schicker geraten, als man es vielleicht erwartet hätte. Genau so ein Kandidat ist der GWM Haval Jolion Pro.

Denn auf dem Papier ist das erst einmal ein klassisches Kompakt-SUV im hart umkämpften C-SUV-Segment. 4,47 Meter lang, 1,90 Meter breit, 1,63 Meter hoch, 2,70 Meter Radstand, 177 PS, Frontantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, dazu ein Einstiegspreis ab 24.990 Euro. Das klingt zunächst nach rationalem Vernunft-Angebot. Im Alltag, beim Anfassen, beim Fahren und beim Blick auf die Details zeigt sich aber: Der Jolion Pro will mehr sein als nur ein günstiger Lückenfüller. Er möchte modern wirken, ordentlich ausgestattet auftreten und dabei auch noch eine kleine Portion Show mitbringen.

Die spannende Frage ist also nicht, ob dieses Auto alles perfekt kann. Das kann es nicht. Die eigentlich interessante Frage lautet: Wie viel Auto bekommt man hier fürs Geld, und wo merkt man dann doch, dass irgendwo der Rotstift mit am Tisch saß?

Haval Jolion Pro Fahrbericht

Wie wirkt der Haval Jolion Pro auf den ersten Blick?

Erstaunlich selbstbewusst. So kann man es wohl am besten zusammenfassen. Gerade die Front ist dem Haval wirklich gut gelungen. Das Auto steht satt auf der Straße, wirkt optisch breiter, als es vielleicht tatsächlich ist, und bringt mit seinen sportlichen Details eine gewisse Dynamik mit, die man in dieser Preisklasse nicht automatisch erwarten würde. Man könnte fast sagen: Er schaut ein bisschen so, als hätte er sich in der Designabteilung heimlich ein paar europäische Trainingspläne angeschaut.

Besonders gut steht ihm dabei die Außenfarbe, die je nach Licht zwischen Blau und Grün changiert. Solche Lackierungen sind immer ein schöner Trick, weil sie einem Fahrzeug etwas Eigenständigkeit geben. Und genau das braucht ein Modell wie der Jolion Pro. Denn wer in Europa gegen etablierte Namen antritt, sollte idealerweise nicht aussehen wie ein Fahrzeug, das man fünf Minuten nach dem Parken schon wieder vergessen hat. Der Haval bleibt zumindest optisch hängen.

Auch das Heck macht einen ordentlichen Job. Die LED-Rückleuchten, der Dachspoiler, die angedeuteten sportlichen Elemente im unteren Bereich, dazu die schwarze Optik an einigen Stellen, das passt insgesamt gut zusammen. Klar, man kann darüber streiten, ob ein C-SUV mit Komfort-Abstimmung wirklich so performativ auftreten muss. Aber Hand aufs Herz: Lieber ein Auto, das optisch etwas wagt, als eines, das aussieht wie ein Kühlschrank auf Rädern.

Wie ordnet sich der Jolion Pro technisch ein?

Ganz klassisch, und das ist in diesem Fall gar nichts Schlechtes. Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 130 kW, also 177 PS, sowie 270 Newtonmetern Drehmoment. Geschaltet wird über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, angetrieben werden die Vorderräder. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll laut Werk in 7,9 Sekunden erledigt sein, bei 190 km/h ist Schluss.

Das ist keine Rakete, aber eben auch ganz sicher keine Wanderdüne. Für den Alltag, für Überholvorgänge, für Auffahrten und für zügiges Mitschwimmen im Verkehr reicht das vollkommen aus. Der Motor passt grundsätzlich gut zu diesem Fahrzeugcharakter. Er liefert genug Druck, um den Jolion Pro nicht träge wirken zu lassen, ohne dass daraus ein hektischer Möchtegern-Sportler wird.

Interessant ist dabei, dass das Auto subjektiv beim Anfahren sogar kräftiger wirkt, als es die nüchternen Daten zunächst vermuten lassen. Der Gasbefehl wird recht spontan umgesetzt. Das macht den Jolion Pro im ersten Moment lebendig, kann aber im Stadtverkehr oder beim feinfühligen Rangieren auch dazu führen, dass man am Pedal etwas sensibler arbeiten muss. Anders gesagt: Er marschiert zackiger los, als man es vielleicht erwartet. Da wäre ein kleines bisschen Feinschliff in der Abstimmung durchaus willkommen.

Reicht der Motor im Alltag wirklich aus?

Ja, völlig. Und das sogar ziemlich locker. 177 PS in einem Kompakt-SUV mit rund 1.595 Kilogramm Leergewicht sind eine vernünftige Mischung. Man muss sich hier von der Vorstellung lösen, dass alles unter sechs Sekunden auf 100 km/h automatisch untermotorisiert sei. Der GWM Haval Jolion Pro ist kein Auto für die Pole Position vor der Eisdiele, sondern einer für den Alltag zwischen Arbeitsweg, Familienlogistik, Baumarktbesuch und Wochenendtrip.

Im Test zeigte sich allerdings auch, dass die Werksangabe beim Sprint nicht reproduziert werden konnte. Gemessen wurden 9,62 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist spürbar langsamer als versprochen. Nun muss man fair bleiben: Winterräder, Streckenbedingungen und ein frühes Testfahrzeug können da durchaus eine Rolle spielen. Trotzdem steht unterm Strich, dass der Haval hier in der Praxis nicht ganz so engagiert abliefert, wie es das Datenblatt zunächst verspricht.

Das ändert aber nichts an der grundsätzlichen Einschätzung. Im normalen Fahralltag wirkt das Auto ausreichend kräftig. Gerade im mittleren Geschwindigkeitsbereich ist genug Schub vorhanden, um entspannt unterwegs zu sein. Und wer möchte, kann über die Schaltwippen sogar selbst ins Geschehen eingreifen. Das ist vielleicht kein Muss in dieser Fahrzeugklasse, aber ein nettes Detail für alle, die auf kurvigen Landstraßen gern ein wenig mehr Kontrolle über die Gangwahl haben möchten.

Was sagt der Verbrauch über den Charakter des Autos?

Der offizielle WLTP-Wert liegt bei 7,4 Litern auf 100 Kilometer, dazu kommen 167 Gramm CO₂ pro Kilometer und die CO₂-Klasse F. Das ist kein Sparwunder, aber in dieser Klasse mit klassischem Turbobenziner und Automatikgetriebe auch kein Ausreißer nach oben. Interessant wird es bei der Detailbetrachtung: Innerorts steigt der Verbrauch auf über 10 Liter, auf der Landstraße sollen rund 6,1 Liter drin sein.

Das passt ziemlich gut zum generellen Charakter des Autos. Der Jolion Pro ist kein asketischer Effizienz-Profi, sondern eher ein komfortorientierter Cruiser mit vernünftiger, aber nicht überragender Verbrauchsseite. Schade ist allerdings, dass sich im Test keine brauchbare Verbrauchsanzeige im Bordcomputer finden ließ. Gerade bei einem Auto, das auch über den Preis argumentiert, wäre es umso wichtiger, den Fahrer möglichst transparent über Reichweite, Durchschnittsverbrauch und laufende Kosten zu informieren.

Denn seien wir ehrlich: Wer sich für ein solches Fahrzeug interessiert, der will nicht nur wissen, ob das Infotainment hübsch aussieht, sondern auch, was der Wagen im Alltag wirklich nimmt. Dass diese Information im Test nicht sauber auffindbar war, ist ein echter Kritikpunkt. Nicht dramatisch, aber unnötig.

Wie praktisch ist der Haval im Alltag?

Ziemlich vernünftig. Der Radstand von 2,70 Metern sorgt für ein ordentliches Raumgefühl, und auch im Fond sitzt man überraschend kommod. Gerade im hinteren Bereich zeigt sich, dass der Jolion Pro seine Rolle als Familienauto ernst nimmt. Selbst größere Passagiere finden ausreichend Bein- und Kopffreiheit, und durch den recht ebenen Fahrzeugboden ist auch der mittlere Platz nicht komplett als Strafbank ausgelegt.

Der Kofferraum fasst 381 Liter, bei umgeklappter Rückbank sind es bis zu 952 Liter. Das ist keine Offenbarung, aber absolut alltagstauglich. Wocheneinkauf, Kinderwagen, Sporttaschen oder Urlaubsgepäck lassen sich vernünftig verstauen. Die Rücksitzlehnen klappen im 60:40-Verhältnis um. Eine Durchladefunktion oder eine 40:20:40-Aufteilung hätte die Flexibilität noch einmal erhöht, gerade für längere Gegenstände. So bleibt es bei solider Hausmannskost.

Nicht ganz so schön: Die Seitenverkleidungen im Kofferraum bestehen weitgehend aus hartem Kunststoff, ohne Teppich oder Filz. Das spart Kosten, sieht aber weder besonders edel aus noch ist es auf Dauer die eleganteste Lösung gegen Kratzer. Immerhin gibt es unter dem Ladeboden ein Notrad, was inzwischen fast schon exotischen Charme hat. In einer Zeit, in der viele Hersteller lieber auf Pannensets setzen und hoffen, dass der Kunde niemals einen ordentlichen Nagel einsammelt, ist das fast schon ein sympathischer Anachronismus.

Was kann der Jolion Pro ziehen und tragen?

Für viele Käufer ist genau das ein entscheidender Punkt, und hier liefert der Haval ordentliche Werte. Die gebremste Anhängelast beträgt 1.500 Kilogramm, ungebremst sind es 750 Kilogramm. Die Stützlast liegt bei 60 Kilogramm. Das reicht für viele Alltagsaufgaben und für kleinere Anhänger absolut aus.
Allerdings ist genau diese Stützlast der Punkt, an dem man genauer hinschauen muss. Wer etwa E-Bikes auf einem Heckträger transportieren möchte, kommt mit 60 Kilogramm schnell in einen Bereich, in dem es eng werden kann. Fahrradträger plus zwei Pedelecs, da ist die Reserve nicht riesig. Für manche Nutzer wird das genügen, für andere ist es schlicht zu knapp.

Eine Dachlast ließ sich im Datenblatt nicht finden. Das ist unerquicklich, weil gerade bei einem SUV mit angedeuteter Dachreling natürlich die Frage aufkommt, was man dort eigentlich sinnvoll montieren darf. Wenn dazu keine klare Angabe vorliegt, ist das mindestens unglücklich. Denn wer Dachbox, Fahrräder oder andere Transportlösungen plant, möchte hier keine Interpretationskunst, sondern belastbare Zahlen.

Wie wirkt der Innenraum beim Einsteigen?

Überraschend wertig. Und das ist tatsächlich einer der stärkeren Auftritte dieses Fahrzeugs. Schon die Türverkleidungen vorne machen einen guten Eindruck. Viele Flächen sind weich ausgeführt oder zumindest ordentlich kaschiert, die Armauflagen sind angenehm gepolstert, die Gestaltung wirkt modern, und der Materialmix ist für diese Preisklasse wirklich respektabel.

Natürlich gibt es auch hier die üblichen Kandidaten, die einen als Tester regelmäßig begleiten wie alte Bekannte, die man nicht eingeladen hat. Harte Kunststoffe im unteren Bereich, empfindliche Oberflächen, ein Handschuhfach ohne Filzauskleidung, kratzanfällige Einstiegsbereiche. Das alles ist vorhanden. Aber entscheidend ist: Der Jolion Pro versucht gar nicht erst, aus jedem Plastikteil ein Premium-Märchen zu machen. Er setzt die besseren Materialien dort ein, wo man sie sieht und anfasst, und spart an anderen Stellen. Das ist legitim, solange die Balance stimmt. Und die stimmt hier insgesamt.

Auch die Tür fällt satt ins Schloss, und genau solche Kleinigkeiten entscheiden oft darüber, ob sich ein Auto im Alltag wertig anfühlt oder nicht. Der berühmte erste Eindruck entsteht nicht nur durch das Design, sondern auch durch solche banalen Momente. Tür zu, kurzer Klangcheck, und man merkt sofort: Das ist kein schlampig zusammengestecktes Billigprodukt.

Wie modern ist das Cockpit?

Durchaus modern, mit kleinen Schönheitsfehlern. Vor dem Fahrer sitzt ein gut ablesbares digitales Kombiinstrument, das die wichtigsten Informationen sauber darstellt. Ein Head-up-Display gibt es nicht, was in dieser Klasse und zu diesem Preis verschmerzbar ist. Schön wäre es trotzdem gewesen, denn wer einmal Gefallen daran gefunden hat, schaut ungern wieder dauerhaft tiefer ins Instrumentendisplay.

Das zentrale Infotainment wirkt mit seinem breiten Format modern und aufgeräumt. Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, die Menüstruktur erscheint grundsätzlich logisch, und auch die Klimafunktionen sind über Schnellzugriffe erreichbar. Das ist wichtig, weil es kaum etwas Nervigeres gibt als ein Touchscreen, der einem bei jeder simplen Temperaturänderung das Gefühl gibt, man müsse erst ein Informatikstudium absolvieren.

Kritisch bleibt der Einsatz von Klavierlack. Ja, er glänzt. Ja, er wirkt im ersten Moment schick. Ja, nach drei Tagen sieht er aus, als hätte jemand dort mit einem Mikrofasertuch und schlechter Laune Schach gespielt. Fingerabdrücke, Staub und Kratzer gehören hier zum Lieferumfang praktisch dazu. Das ist inzwischen fast schon ein branchenweites Missverständnis, und auch der Haval macht da leider mit.

Wie gut sitzt man vorne?

Gut, in Teilen sogar sehr gut. Die Vordersitze sind ordentlich gepolstert, bieten einen brauchbaren Seitenhalt und haben eine angenehm lange Sitzfläche. Gerade auf längeren Strecken ist das keine Nebensache. Wer ständig das Gefühl hat, auf einem zu kurzen Küchenstuhl zu sitzen, wird auf Dauer nämlich nicht glücklich. Der Jolion Pro macht hier vieles richtig.

Die Ergonomie passt ebenfalls. Armauflage und Mittelarmlehne liegen auf einer sinnvollen Höhe, man fühlt sich nicht verloren, und die Sitzposition lässt sich so einrichten, dass auch größere Fahrer eine vernünftige Haltung finden. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass nicht alle Einstellmöglichkeiten so umfangreich ausfallen, wie man es sich wünschen würde. Eine variablere Sitzhöhenverstellung oder eine ausziehbare Oberschenkelauflage wären für große Menschen das Tüpfelchen auf dem i gewesen.

Praktisch ist die doppelte Ebene in der Mittelkonsole mit USB-A, USB-C und 12-Volt-Anschluss. Dazu kommt eine induktive Ladefläche fürs Smartphone. Diese ist im Testwagen allerdings nicht aktiv gekühlt. Das klingt zunächst nach einem Detail, ist aber im Alltag relevant. Denn moderne Smartphones erwärmen sich bei Navigation und induktivem Laden gern so, als wollten sie demnächst selbst die Klimaanlage übernehmen.

Haval Jolion Pro Test Fotos

Haben die Passagiere im Fond Grund zur Freude?

Ja, durchaus. Hinten sitzt man angenehm luftig, die Rückbank ist straff, aber nicht ungemütlich, und die Platzverhältnisse passen für diese Klasse. Die Mittelarmlehne mit Becherhaltern ist sauber integriert, dazu gibt es Luftausströmer sowie USB-Anschlüsse. Gerade für Familien oder Nutzer, die öfter mit mehreren Erwachsenen unterwegs sind, ist das ein Argument.

Positiv fällt auch auf, dass das Design und der Materialmix von vorne nach hinten recht konsequent durchgezogen werden. Das ist längst nicht selbstverständlich. Manche Hersteller investieren alles in den ersten Eindruck vorne und lassen den Fond dann aussehen wie den Wartebereich einer Kreisverwaltung. Der Haval macht das besser.

Isofix-Befestigungen sind vorhanden, der Einstieg gelingt problemlos, und insgesamt wirkt der hintere Bereich so, als habe ihn tatsächlich jemand für Menschen geplant und nicht nur für Datenblätter.

Fährt der Haval eher sportlich oder eher gemütlich?

Ganz klar eher gemütlich. Und das ist vielleicht der größte Widerspruch dieses Fahrzeugs. Denn optisch gibt sich der Jolion Pro durchaus dynamisch. Die Front ist kernig, die Felgen sehen kräftig aus, das gesamte Auto versucht, eine gewisse Straffheit auszustrahlen. Auf der Straße zeigt sich dann aber schnell: Das Fahrwerk ist auf Komfort ausgelegt.

Vorne arbeitet eine McPherson-Achse, hinten eine Multi-Link-Konstruktion, dazu eine elektrische Servolenkung. Das ist klassische Technik, die in erster Linie den Alltag meistern soll. Auf normalen Straßen funktioniert das auch ordentlich. Der Haval federt angenehm, wirkt eher weich abgestimmt und bietet genau jene Sorte Komfort, die viele Käufer im Alltag schätzen werden.

In schnell gefahrenen Kurven oder bei abrupten Richtungswechseln merkt man allerdings, dass die Abstimmung nicht für ambitionierten Landstraßen-Sport gedacht ist. Es gibt spürbare Wank- und Neigebewegungen, und das Auto wirkt dann eher wie ein komfortabler Cruiser als wie ein scharf gemachtes Fahrerauto. Wer also von der Optik auf besonders straffe Rückmeldung schließt, wird auf der ersten engagierten Kurvenkombination schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Wie schlagen sich Lenkung, Bremse und Assistenzsysteme?

Die Lenkung macht ihren Job unauffällig, und das darf man hier durchaus als Lob verstehen. Sie nervt nicht, sie ist leichtgängig genug für den Alltag, wirkt aber nicht völlig entkoppelt. Die Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum, vorne belüftet, funktioniert ebenfalls solide. Im Messwert blieb der Bremsweg aus 100 km/h allerdings nicht in der absoluten Spitzenklasse. Das Fahrzeug kam in 3,5 Sekunden zum Stillstand, was okay ist, aber eben nicht herausragend.

Sehr ordentlich sind dagegen die Assistenzsysteme geraten. Gerade angesichts des Preises ist das ein Punkt, den man klar benennen muss. Der adaptive Tempomat, der Spurhalteassistent und die Kamerasysteme hinterlassen einen guten Eindruck. Die Rückfahrkamera ist hochauflösend, dazu kommen Top-View-Funktionen und eine 180-Grad-Ansicht, die gerade beim Herausfahren aus unübersichtlichen Ausfahrten wirklich hilfreich ist.

Das ist nicht nur nettes Spielzeug fürs Datenblatt, sondern im Alltag tatsächlich nützlich. Man merkt hier, dass Haval verstanden hat, welche Komfort- und Sicherheitsfeatures Kunden heute erwarten. Und wenn ein Fahrzeug für unter 25.000 Euro in diesem Bereich schon so sauber liefert, dann darf man das auch einmal ausdrücklich anerkennen.

Wie gut ist die Geräuschdämmung?

Überraschend gut. Gerade weil der Jolion Pro nur auf Einfachverglasung setzt, hätte man im Vorfeld mehr Geräusche im Innenraum erwarten können. Tatsächlich bleibt es aber angenehm leise. Gemessen wurden bei 50 km/h rund 58 bis 59 dB, bei 70 km/h etwa 62 bis 63 dB und bei 100 km/h etwa 65 bis 70 dB. Das ist völlig in Ordnung und für diese Klasse absolut konkurrenzfähig.

Auch der Motor drängt sich akustisch nicht unangenehm in den Vordergrund. Unter Last klingt er sogar ein wenig kernig, ohne jemals aufdringlich zu werden. Das passt wiederum ganz gut zum Gesamtcharakter. Der Jolion Pro will kein sportlicher Schreihals sein, sondern ein ruhiger Begleiter, der im Alltag möglichst wenig nervt.

Wo liegen die Schwächen im Detail?

Es sind vor allem die kleinen Punkte, an denen man merkt, dass der Jolion Pro nicht vom Himmel gefallen ist. Das Ansprechverhalten des Gaspedals ist im ersten Moment etwas zu forsch. Die Sportoptik passt nicht ganz zur eher weichen Fahrwerksabstimmung. Der Klavierlack bleibt ein Ärgernis. Die fehlende oder schwer auffindbare Verbrauchsanzeige im Bordcomputer ist unnötig. Die Stützlast von 60 Kilogramm ist für manche Nutzer knapp. Eine klare Angabe zur Dachlast fehlt. Und beim Sprint auf 100 km/h blieb das Testfahrzeug hinter der Werksangabe.

Dazu kommt, dass manche Oberflächen und Detaillösungen eben nicht ganz das Niveau erreichen, das die gute Grundanmutung zunächst verspricht. Das ist nicht dramatisch, aber spürbar. Anders formuliert: Der Haval ist kein Blender, aber er ist auch kein Wunderding, das plötzlich alle etablierten Anbieter alt aussehen lässt.

Ist der Haval Jolion Pro am Ende ein guter Kauf?

Er ist vor allem ein interessantes Angebot. Und zwar genau deshalb, weil er nicht nur günstig sein will, sondern für sein Geld tatsächlich spürbar etwas bietet. Viel Platz, ordentliche Ausstattung, überraschend guter Materialmix, brauchbare Assistenzsysteme, komfortable Abstimmung, vernünftige Motorisierung und ein Design, das sich nicht verstecken muss. Das ist in Summe mehr, als manch einer diesem Auto auf den ersten Blick zutrauen würde.

Gleichzeitig ist er kein Fahrzeug für Menschen, die maximale Feindynamik, perfektes Interface-Design oder restlos europäisch geschliffene Abstimmung erwarten. Dafür ist der Jolion Pro zu sehr auf Komfort und Preis-Leistung geeicht. Wer genau das sucht, wird hier aber ziemlich viel Auto fürs Geld bekommen.
Unterm Strich ist der GWM Haval Jolion Pro ein C-SUV, das man nicht vorschnell abtun sollte. Er ist kein Klassenprimus, aber ein ernstzunehmender Außenseiter mit ordentlichem Talent. Und manchmal sind genau das die Autos, die später mehr Leute fahren, als man es ihnen am Anfang zugetraut hätte. Gerade wenn Preis, Leasingrate oder Finanzierung stimmen, könnte dieser Haval seine Zielgruppe ziemlich zuverlässig finden.

Denn der eigentliche Trick dieses Autos ist nicht, dass es in einem Punkt alles besser macht als die Konkurrenz. Sein Trick ist, dass es sich an erstaunlich vielen Stellen weniger kompromissbehaftet anfühlt, als es der Preis vermuten lässt. Und das ist am Ende vielleicht die ehrlichste Form von Preis-Leistung.

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