Der Lotus Emira Turbo SE im Test! SE? Der SE ist die gewürzte Variante des Lotus Emira Turbo. Lotus nimmt den bekannten Vierzylinder mit Turboaufladung, verfeinert ihn für mehr Leistung und legt bei Optik und Fahrdynamik eine Schippe drauf. Das Ergebnis ist ein kompakter Mittelmotor Sportwagen mit reichlich Grip, spürbarer Rennstrecken DNA und überraschend viel Alltagskultur. Kurz gesagt: die goldene Mitte zwischen Basis Turbo und dem großen V6. Wagen wir uns mit dem sportlichen Vertreter, mit dem gelben Nummernschildern, doch einmal eine Ausfahrt durch Bella Italia! Das ist das Ergebnis unserer Lotus Emira Turbo SE Testfahrt:
Wie sieht er aus und wie groß ist er?
Flach, breit, angriffslustig. Die Zweifarbigkeit mit schwarzem Dach und mittlerem Blau lässt ihn noch geduckter wirken. Vorne arbeiten große Lufteinlässe für Kühlung und Aerodynamik, hinten führen Luftaustritte die Strömung sauber ab. Die Maße passen ins Sportwagen Bilderbuch. 4,41 Meter Länge, 1,23 Meter Höhe, 1,89 Meter Breite ohne Spiegel. Der Auftritt ist ernsthaft. Sogar im Stand scheint der Emira schon Kurvenspeed zu planen.
Welche Technik steckt dahinter?
Der Motor sitzt klassisch als Mittelmotor hinter den Sitzen. Basis ist ein Zweiliter Vierzylinder aus dem Hause Mercedes AMG, von Lotus auf SE Niveau adaptiert. Im SE leistet er runde 400 PS und schickt die Kraft an ein achtstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Interessantes Detail für Technikfreunde. Das Getriebe stammt nicht von AMG, sondern aus dem Volvo Regal. Die Bremsanlage ist SE würdig dimensioniert. 370 Millimeter Scheiben vorn, 350 Millimeter hinten, vier Kolben Sättel, standfester Druckpunkt. Dazu 20 Zoll Räder mit Mischbereifung und aktive Aero Helferlein, die den Vorderwagen bei Tempo an den Asphalt drücken.
Lotus Emira Turbo SE Test-Video
Wie schnell ist er laut Werk und wie schnell war er bei uns?
Werksangabe für den Sprint lautet vier Komma null Sekunden von null auf hundert und 291 Kilometer pro Stunde Spitze. Unser GPS Messwert auf der Teststrecke bei Mailand lag bei vier Komma sechs sechs Sekunden von null auf hundert. Der Unterschied erklärt sich mit Temperatur, Grip und dem nicht ganz trivialen Launch über das Doppelkupplungsgetriebe. Von null auf fünfzig stoppten wir zwei Komma null drei Sekunden. Der Bremscheck von hundert auf null gelang in zwei Komma sechs drei Sekunden. Der Emira liefert Performance, die fühlbar ist und reproduzierbar Spaß macht.
Wie fährt der Lotus Emira Turbo SE im Alltag auf echten Straßen?
Im Fahrmodus Tour zeigt der Emira seine freundliche Seite. Straff ja, aber nicht hart. Die Dämpfer arbeiten sauber über Wellen, Querfugen verlieren ihren Schrecken. Die Lenkung bleibt Lotus typisch direkt, ohne nervös zu wirken. Geräuschmessungen im Innenraum untermauern den Eindruck. Bei fünfzig Kilometer pro Stunde messen wir etwa 64 bis 65 Dezibel, bei siebzig um 72 bis 73 Dezibel, bei hundert bleibt es ebenfalls im niedrigen Siebziger Bereich. Für einen Sportwagen ist das bemerkenswert entspannt.
Wie gibt er sich auf der Rennstrecke?
Schalten auf Sport oder Track, Klappe auf, Ton an. Gasannahme schärfer, Schaltvorgänge knackiger, das Heck bleibt dank Mittelmotor Balance stabil, während die Front präzise einlenkt. Slalomwechsel steckt der Emira mit minimalen Wankbewegungen weg. Der Turbo zischt, das Wastegate atmet, genau das kleine akustische Pfefferkorn, das man erwartet. Wer Rundenzeiten mag, freut sich über den integrierten Laptimer und die Performance Anzeigen mit G Kräften und Leistungsabruf.
Was kann das Lotus Emira Turbo SE Getriebe und wo hakt es?
Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet unter Last zügig und passend. Beim Einlegen von Vorwärts oder Rückwärtsgang im Stand erlaubt sich die Einheit jedoch eine Nachdenksekunde. Neutral, dann Drive, dann Kupplung schließen. Das dauert einen Moment. Nicht dramatisch, aber im Alltag spürbar. Im manuellen Betrieb über die mitdrehenden Schaltwippen reagiert die Box deutlich flotter und passt besser zum Charakter.
Wie sitzt es sich an Bord und wie bedient man den Emira?
Innen gibt es Sportsitze mit lang abgestützter Oberschenkelauflage, guter Schulterführung und Heizung. Der Materialmix wirkt hochwertig, Alcantara Dachhimmel inklusive. Die Ergonomie passt auch für große Fahrer, das Lenkrad ist in Höhe und Tiefe fein einstellbar, Armauflagen entlasten auf Strecke.
Das digitale Kombiinstrument informiert klar, das Infotainment kombiniert native Navigation, Bluetooth Telefonie, Performance Seiten und die Smartphone Einbindung via Apple CarPlay oder Android Auto. Die Klimaeinheit glänzt mit echten Drehreglern aus Metall. Manuelle Lüftungsdüsen und ein klarer Bedienfluss sind genau das, was man beim Fahren schätzt.
Wie gut ist die Sicht und die Assistenz?
Die Rückfahrkamera liefert ein scharfes Bild mit Hilfslinien, das Einparken gelingt präzise. Eine Frontkamera haben wir nicht gefunden. Moderne Langstreckenhelfer wie adaptiver Tempomat oder ein Lenkassistent waren an unserem Testwagen nicht an Bord. Puristen jubeln, Vielfahrer würden sich die Optionen wünschen. Für den Charakter des Autos passt die analoge Eigenverantwortung dennoch erstaunlich gut.
Lotus Emira Turbo SE Fotos






















Wie praktisch ist der Emira im Alltag?
Der hintere Kofferraum liegt nah am Motor, wird also warm. Für Schokolade keine gute Idee, für den Wochenendtrip reicht es aber. Unsere Handgepäckkombi aus 55 mal 40 mal 23 Zentimeter Koffer, Jacke, Laptoptasche und Kamerarucksack hat gepasst. Zusätzlich gibt es im Innenraum eine große Ablage hinter den Sitzen. Einen Frunk konnten wir nicht öffnen, vorn sitzen Kühlkomponenten und Luftkanäle. Dachlast und Anhängerbetrieb spielen hier ohnehin keine Rolle.
Was gefällt besonders und was fehlt?
Pluspunkte sind die ehrliche Mittelmotor Balance, die präzise Lenkung, die bissigen Bremsen, die starke SE Leistung und der gelungene Materialmix im Cockpit. Das Fahrwerk kann viel Alltag, ohne die Sport Seele zu verlieren. Wünschen würden wir uns ein optional adaptives Dämpfersystem für noch mehr Spreizung zwischen Reise und Track sowie eine schnellere Reaktion des Getriebes beim Rangieren. Ein Paket mit Abstandsregeltempomat für lange Anfahrten zur Rennstrecke wäre das Sahnehäubchen.
Für wen ist der Emira Turbo SE die richtige Wahl?
Für Enthusiasten, die ein präzises Fahrerlebnis suchen, sich über jedes zehntel G an Querdynamik freuen und dennoch nicht auf Komfort verzichten möchten. Wer die SE Leistung, das Driver Package mit großer Bremse und die sportlichen Akzente schätzt, bekommt das rundeste Emira Paket ohne in den V6 Bereich zu wechseln, der aber noch etwas besser klingen soll.
Was ist das Fazit nach unserem Test?
Der Lotus Emira Turbo SE trifft den Sweet Spot. Er vereint Lotus DNA mit moderner Bedienung, fährt auf der Landstraße agil, auf dem Track sauber und im Alltag erstaunlich kultiviert. Die Werksangaben sind sportlich, die Praxiswerte überzeugen, das Grinsen ist serienmäßig. Der SE ist nicht nur die schärfere Optik, er ist die bessere Mischung. Wer mit dem leichten Tick Pragmatismus in Form von Assistenz und adaptiven Dämpfern leben kann oder sie nicht vermisst, findet hier einen Sportwagen, der die alte Lotus Idee ins Heute trägt. Flach, feurig, fahraktiv. Genau so muss sich ein Lotus anfühlen.





