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MGs elektrische Doppelstrategie: Vom Kompakten bis zum Luxus-SUV

Wolfgang Wieland MG 4 EV und MG S6 EV Test

MG Motor bleibt auf der Überholspur, kann man immer wieder lesen. Grund genug für uns, sich doch mal zwei Modelle der Chinesen genauer anzuschauen. Mit dem S6 EV Luxury AWD startet MG in eine neue Etappe seiner Elektro-Offensive. Der große Stromer-SUV positioniert sich zwischen etablierter Mittel- und Oberklasse und zeigt, wie ernst es der Marke mit Qualität und Langstreckenkomfort meint. Nach ausgedehnten Testfahrten rund um Lissabon hinterlässt der neue S6 EV einen überraschend erwachsenen Eindruck, technisch gereift, stilistisch souverän und auf europäische Ansprüche zugeschnitten.

Von Wolfgang Wieland

Optisch tritt der MG S6 selbstbewusst auf, ohne laut zu werden. Die Front trägt schmale LED-Scheinwerfer mit markantem Tagfahrlicht, der geschlossene Kühlergrill betont die klare Linienführung. Die leicht abfallende Dachlinie lässt das SUV dynamischer wirken, ohne Raum einzubüßen. Chromakzente unterstreichen die gehobene Anmutung, während die 20-Zoll-Räder den eleganten Auftritt stützen. Insgesamt wirkt der S6 solide proportioniert, kein Showcar, sondern ein Fahrzeug mit Präsenz.

Innen zeigt sich MG spürbar gereift. Die Gestaltung folgt einer klaren Horizontalstruktur, die das Raumgefühl betont. Das Cockpit ist modern, aber nicht verspielt: ein zentraler 12,3-Zoll-Touchscreen, ergänzt durch ein digitales Fahrerdisplay und haptische Bedienelemente für Kernfunktionen wie Klima und Lautstärke. Die neue Menüführung arbeitet flüssig, das System integriert Smartphone-Apps und Navigationsdaten übersichtlich. Materialien und Verarbeitung bewegen sich auf gutem europäischem Niveau. Leder, feine Oberflächen und leises Türschließgeräusch, hier hat MG sichtbar nachgelegt.

Der elektrische Antrieb besteht aus zwei Motoren, einer pro Achse, und mobilisiert zusammen 330 kW (449 PS). Damit liegt der MG S6 gleichauf mit technisch vergleichbaren Konkurrenten aus Deutschland und Korea. Der Sprint von null auf einhundert gelingt in 4,9 Sekunden. Begleitet wird die Leistung von wohltuender Ruhe: Die Akustikdämmung im Innenraum filtert Wind- und Abrollgeräusche wirkungsvoll heraus. Auch bei hohem Tempo auf der Autobahn zeigt sich der Wagen stabil, die Luftfederung gleicht Unebenheiten zuverlässig aus.


Herzstück bildet die 92-kWh-Batterie. Laut WLTP reicht sie für bis zu 560 Kilometer, im Test waren rund 480 Kilometer ohne Mühe erreichbar. An Schnellladesäulen nimmt der MG S6 bis zu 200 kW Ladeleistung auf, was eine 10-bis-80-Prozent-Ladung in knapp 30 Minuten erlaubt. Die Rekuperationsregelung lässt sich in drei Stufen einstellen und arbeitet unauffällig effektiv – kein abruptes Verzögern, sondern harmonisches Gleiten. Im Stadtverkehr fühlt sich der große SUV erstaunlich handlich an, dank präziser Lenkung und ordentlichem Wendekreis.

Das Fahrverhalten prägt Gelassenheit. Die Allradregelung verteilt Kraft bedarfsgerecht, was besonders auf feuchtem Asphalt Vertrauen schafft. In schnellen Kurven bleibt das Fahrzeug neutral, das Gewicht macht sich kaum störend bemerkbar. Die Dämpfer sprechen feinfühlig an, und die Steuerung reagiert stets vorhersehbar – typisch für eine gelungene Abstimmung, die europäische Entwicklerhandschrift erkennen lässt.

Die Ausstattung des MG S6 Luxury AWD ist voll: Panorama-Glasdach, Wärmepumpe, adaptiver Tempomat, 360-Grad-Kamera und Premium-Audio sind serienmäßig. Der Preis liegt bei etwa 57.000 Euro, fair für Leistung und Komfort dieser Kategorie. MG baut parallel das Händler- und Servicenetz weiter aus, was die Alltagstauglichkeit der Marke festigt.

Unterm Strich zeigt der MG S6 EV Luxury AWD, dass MG längst kein Geheimtipp mehr ist. Das Fahrzeug vereint Kraft und Ruhe, technische Reife und elegantes Understatement. Ein Elektro-SUV, das ohne laute Ansage überzeugt – und genau darin seine Stärke findet.

Mit dem Modelljahr 2026 bekommt der MG4 EV ein behutsames, aber wirkungsvolles Update. Der kompakte Elektroflitzer, längst kein Geheimtipp mehr, zeigt, wie weit die Marke mit britischen Wurzeln und chinesischem Rückhalt in kurzer Zeit gekommen ist. Auf der ersten Ausfahrt rund um Berlin überrascht der MG4 mit ausgereiftem Fahrverhalten, praxisgerechter Reichweite und einem Qualitätseindruck, der deutlich über dem Preisniveau liegt.

Äußerlich fällt die Modellpflege dezent aus. Das geschärfte LED-Tagfahrlicht und die modifizierte Frontpartie geben dem MG4 etwas mehr Eigenständigkeit, ohne das klare Grunddesign aufzugeben. Besonders das durchgehende Leuchtenband am Heck betont die Breite und sorgt für Wiedererkennungswert, ein Detail, das den MG4 optisch in Richtung höherer Fahrzeugklassen rückt. Neu sind auch frische Lackfarben, darunter ein auffälliges Kupfermetallic, das mit den kontrastierenden schwarzen Akzenten gut harmoniert.

Im Innenraum steht Funktionalität im Mittelpunkt. Das Cockpit präsentiert sich deutlich aufgeräumter als beim Vorgänger: Weniger Touch-Wirrwarr, klarere Logik. Das 10,25-Zoll-Display reagiert endlich schneller, und die Sitze sind ergonomisch besser geformt. Auch die Materialqualität hat zugelegt – Softtouch-Oberflächen dort, wo es zählt, solide Verarbeitung rundum. Die Bedienung über das Lenkrad bleibt klassisch, das digitale Kombiinstrument liefert alle wichtigen Daten ohne überflüssige Effekte. Ein „Hands-on“-Auto im besten Sinne.

Unter der Haube, oder besser gesagt im Unterboden, steckt nun ein 77-kWh-Akku, der laut WLTP 530 Kilometer schafft. Auf der Testfahrt zeigt sich: Real sind 460 bis 480 Kilometer problemlos drin – ein guter Wert, der auch Vielfahrern entgegenkommt. Schnellladen funktioniert jetzt mit bis zu 180 kW, was in der Praxis etwa 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent Ladezustand bedeutet. Ein klarer Fortschritt, wenn man bedenkt, dass MG hier zuvor etwas hinterherhinkte.

Fahrdynamisch präsentiert sich der MG4 gereift. Das Fahrwerk, neu abgestimmt mit adaptiven Dämpfern, meistert Kopfsteinpflaster wie Landstraßen souverän. Lenkung und Pedalgefühl wirken natürlicher, die Balance zwischen Komfort und Agilität gelungen. Besonders im kurvigen Gelände macht der Hecktriebler Spaß, präzise, leichtfüßig, ohne übertrieben sportlich zu wirken. Die stärkere Version bringt 210 kW (286 PS) auf die Hinterachse und sprintet in sechs Sekunden auf 100 km/h. Kein Rennwagen, aber spürbar lebendig.

Beim Preis bleibt MG seinem Erfolgsrezept treu: Der MG4 startet bei rund 33.000 Euro, das Topmodell liegt knapp über 40.000. Inklusive umfangreicher Serienausstattung, Wärmepumpe und Assistenzsystemen ist das ein starkes Angebot. Am Ende der Fahrt bleibt der Eindruck eines Autos, das seinen Platz gefunden hat. Der MG4 EV 2026 ist kein Außenseiter mehr, sondern ein ernsthafter Mitspieler im europäischen Kompaktsegment. Er kombiniert Alltagstauglichkeit mit einer ehrlichen, fast schon bodenständigen Technikbegeisterung, ganz so, wie man es sich von einem modernen Elektroauto wünscht.

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