Pravets in Bulgarien, rund 70 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Sofia gelegen. Hier empfängt uns der Toyota Hilux BEV mit einer Kulisse, die kaum passender sein könnte. Grobes Gelände, lose Steine, tiefe Spuren, dazu Anstiege, die eher nach Arbeit, als nach Ausflug aussehen. Der reinelektrische Hilux will zeigen, was in ihm steckt: Kein Donnern, kein Grollen, kein mechanisches Drama, sondern ein überraschend gelassener Auftritt. Und gerade diese Ruhe macht ihn im Gelände so überzeugend.
Ein Fahrbericht von Wolfgang Wieland
Der aschgraue Pick-up rollt lautlos an, und doch spürt man schon nach wenigen Metern: Das hier ist kein sanfter Stromer, sondern ein echtes Arbeitstier mit erstaunlich viel Biss. Vorn arbeitet ein Elektromotor mit 82 kW und 205 Nm, hinten einer mit 129 kW und 268 Nm. Zusammen stehen 144 kW beziehungsweise 196 PS bereit. Auf dem Papier klingt das solide, im Gelände fühlt es sich deutlich kräftiger an. Denn der entscheidende Vorteil liegt nicht in einer großen Zahl, sondern in der Art, wie die Kraft kommt: Sofort, ohne Zögern, ohne Schalten, ohne dramatische Anlaufphase. Der Hilux BEV setzt sich mit einer Entschlossenheit in Bewegung, als würde er den Untergrund nicht nur lesen, sondern beherrschen wollen.
Der einfach elektrisch Fahrbericht als Video
Gerade auf den schmalen, steinigen Wegen rund um den Pravets-See mit seinem malerischen Golfplatz wird das eindrucksvoll sichtbar. Wo andere Fahrzeuge nervös werden, bleibt der elektrische Hilux gelassen. Er krallt sich in losem Schotter fest, klettert über Kanten, zieht sich durch tiefe Furchen und hält dabei eine stoische Ruhe, die fast schon arrogant wirkt. Diese Art von Gelassenheit mit Hilfe des weiterentwickelten Multi-Terrain-Select-Systems ist im Gelände Gold wert, denn sie gibt dem Fahrer das Gefühl, nicht gegen das Terrain arbeiten zu müssen, sondern mit ihm. Der permanente Allradantrieb sorgt dafür, dass die Kraft sauber verteilt wird, während die fein abgestimmte Elektronik verhindert, dass der Wagen je unruhig wird.
Auch das Fahrwerk mit Starrachse und Blattfedern spielt in dieser Liga überzeugend mit. Es poltert nicht unnötig, es flattert nicht, es gibt dem Wagen die nötige Härte, ohne ihn unnahbar zu machen. Jeder Schlag, jede Verschränkung, jeder kleine Versatz im Boden wird sauber verarbeitet. Der Hilux bleibt dabei immer ein Nutzfahrzeug, aber eines mit erstaunlich viel Feingefühl. Gerade darin liegt seine Stärke: Er wirkt nicht geschniegelt, sondern glaubwürdig.
2026 Toyota Hilux Fotos







Fotos: © Harald Dawo
Richtig spannend wird es bergab, bei über 40 Grad Gefälle. Dort zeigt die Rekuperation ihre ganze Wirkung. Der Wagen verzögert gleichmäßig und lässt sich dadurch präzise auf Linie halten. Das vermittelt Sicherheit, aber auch eine gewisse Souveränität, die im schwierigen Gelände sofort Vertrauen schafft. Wir müssen hier nicht kämpfen, sondern nur konzentriert dosieren. Und genau das macht den Unterschied zwischen einem Fahrzeug, das sich bemüht, und einem, das wirklich überzeugt. Dann müssen wir doch noch schmunzeln, als wir unseren standardisierten Test mit der Geräuschkulisse beim Zuschlagen der Türen und der Motorhaube vollziehen. Hier ist die Frage nicht, ob satt oder sättchen, hier scheppert es ganz schön.
Technisch ist der Hilux BEV rundum bestens aufgestellt. Die Batterie fasst 59,2 kWh, die WLTP-Reichweite liegt bei rund 240 Kilometern. Dazu kommen 715 Kilogramm Nutzlast, bis zu 1,6 Tonnen Anhängelast, 70 Zentimeter Wattiefe sowie Ladeleistungen von bis zu 11 kW AC und 130 kW DC. Das sind Werte für echten Arbeitseinsatz. Und genau so wirkt der Wagen auch: nicht als Showcar, sondern als belastbares Werkzeug mit elektrischer Präzision.
Der Preis für den Hilux BEV startet bei 70.210 Euro. Zusätzlich gibt es auch eine 48V-Dieselhybrid-Variante für 53.490 Euro, die das Modellangebot sinnvoll ergänzt. Das ändert nichts am Eindruck dieses Testtags: Der Toyota Hilux BEV ist ein Fahrzeug, das im rauen Gelände nicht einfach mitläuft, sondern auffällt. Nicht laut, sondern stark. Nicht spektakulär im Sinn von Show, sondern im Sinn von echter Leistung. Ihr wollt eine zweite Meinung? Hier findet ihr den Toyota Hilux Testbericht von einfach elektrisch: klick!






