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Porsche Cayenne Electric im Test: Wenn ein SUV plötzlich Supersportwagen spielt

Porsche Cayenne Electric Test

Kaum zu glauben, aber der schnellste Serien-Porsche aller Zeiten ist kein flacher Zweisitzer, sondern ein SUV. Genau das macht den neuen Porsche Cayenne Electric so spannend. Er steht sinnbildlich für die Entwicklung der Marke, die längst nicht mehr nur über klassische Sportwagen definiert wird, sondern über Performance in jeder Form. Und wenn man sich die nackten Zahlen anschaut, wird schnell klar: Hier geht es nicht um ein bisschen Elektro, hier geht es um eine neue Dimension.

Wie extrem ist die Performance wirklich?

Der Cayenne Turbo Electric spielt in einer Liga, die man sonst eher bei Supersportwagen vermutet. Bis zu 1.156 PS im Overboost, 1.500 Newtonmeter Drehmoment und ein Sprint von null auf hundert in gerade einmal 2,5 Sekunden. Das sind Werte, die man erst einmal verarbeiten muss. Besonders, wenn man bedenkt, dass wir hier über ein SUV sprechen, das rund 2,7 Tonnen auf die Waage bringt.

Diese Leistung fühlt sich nicht einfach nur schnell an. Sie ist brachial. Der Druck beim Beschleunigen ist so massiv, dass man die Mitfahrer besser vorwarnt. Wer nicht vorbereitet ist, erlebt unfreiwillig eine sehr direkte Begegnung mit der Kopfstütze.

Dabei ist der Turbo nur die Speerspitze. Schon die Basisversion liefert mit bis zu 442 PS mehr als genug Leistung für den Alltag. Der Cayenne S legt noch einmal deutlich nach, bevor der Turbo dann alles sprengt, was man bisher von einem Cayenne kannte.

Was steckt technisch dahinter?

Ein entscheidender Baustein für diese Performance ist der von Porsche entwickelte Elektromotor an der Hinterachse mit Öl-Direktkühlung. Diese Technologie stammt aus der Formel E und sorgt dafür, dass die Leistung auch bei wiederholter Belastung stabil bleibt. Genau das unterscheidet den Cayenne Electric von vielen anderen Elektro-SUV, die ihre Leistung nur kurzzeitig abrufen können.

Hinzu kommt die 800-Volt-Architektur, die nicht nur hohe Ladeleistungen ermöglicht, sondern auch für Effizienz und thermische Stabilität sorgt. Die Batterie bietet einen Nettoenergiegehalt von 108 kWh und soll laut WLTP bis zu 642 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Im Alltag relativiert sich das natürlich etwas. Bei ambitionierter Fahrweise lagen die Verbräuche im Test eher bei rund 29 kWh pro 100 Kilometer. Das ist kein Wunder bei dieser Leistung, aber genau hier zeigt sich die klassische Frage: Will man Reichweite oder Performance?

Wie fährt sich dieses Elektro-SUV wirklich?

Die eigentliche Überraschung kommt nicht beim Beschleunigen, sondern in den Kurven. Trotz seiner Größe und seines Gewichts fährt sich der Cayenne Electric erstaunlich präzise. Die Kombination aus adaptiver Luftfederung, Porsche Active Suspension Management und optionalem Active Ride sorgt dafür, dass sich das Fahrzeug extrem stabil anfühlt.

Das System arbeitet mit aktiven Dämpfern, die in Millisekunden reagieren und klassische Stabilisatoren überflüssig machen. Das Ergebnis ist eine enorme Spreizung zwischen Komfort und Sport. Auf der Autobahn gleitet der Cayenne fast wie eine Luxuslimousine dahin. In engen Kurven hingegen bleibt er neutral, stabil und erstaunlich agil.

Die Lenkung ist direkt, die Rückmeldung klar und die Karosserie zeigt weder Wank- noch Nickbewegungen. Der tiefe Schwerpunkt durch die Batterie im Fahrzeugboden spielt hier eine entscheidende Rolle. Die hecklastige Gewichtsverteilung sorgt zusätzlich für ein sehr sportliches Fahrgefühl.

Wie alltagstauglich ist der Cayenne Electric?

Bei aller Performance bleibt der Cayenne ein Cayenne. Das bedeutet viel Platz, hohe Variabilität und echte Alltagstauglichkeit. Der Innenraum ist großzügig, die Rücksitze lassen sich verschieben und elektrisch verstellen. Der Kofferraum bietet zwischen 553 und 1.588 Liter Volumen, dazu kommt ein 90 Liter großer Frunk.

Auch beim Thema Komfort zeigt Porsche, was möglich ist. Von adaptiven Sportsitzen bis hin zu Flächenheizung in Türen und Mittelkonsole ist vieles an Bord. Das sorgt nicht nur für Wärme, sondern für ein sehr gleichmäßiges und angenehmes Raumgefühl.

Das Infotainment setzt auf ein neues, gebogenes Display mit OLED-Technologie. Navigation inklusive Ladeplanung funktioniert schnell und durchdacht. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, Ladeanbieter gezielt auszuwählen oder zu vermeiden.

Wie gut ist Laden und Rekuperation gelöst?

Dank 800-Volt-Technik sind Ladeleistungen von bis zu 400 kW möglich. Unter idealen Bedingungen soll der Akku in weniger als 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden. In zehn Minuten lassen sich theoretisch über 300 Kilometer Reichweite nachladen.

Auch bei der Rekuperation setzt der Cayenne neue Maßstäbe. Bis zu 600 kW können zurückgewonnen werden. Das bedeutet, dass der Großteil der Bremsvorgänge rein elektrisch erfolgt. Im Alltag fährt sich das extrem effizient und gleichzeitig sehr harmonisch.

Test Video

Kann der Cayenne Electric auch praktisch?

Die Antwort ist klar: Ja. Mit einer Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen wird der Cayenne Electric zur echten Zugmaschine. Auch Offroad-Einsätze sind möglich. Das elektronische Allradsystem reagiert extrem schnell und passt die Kraftverteilung innerhalb von Millisekunden an.

Optisch hebt sich der elektrische Cayenne deutlich von den Verbrenner-Modellen ab. Eine flachere Silhouette, geschlossene Flächen für bessere Aerodynamik und ein cw-Wert von 0,25 zeigen, dass hier konsequent auf Effizienz getrimmt wurde.

Was kostet der Spaß?

Der Einstieg beginnt bei rund 105.200 Euro. Der Cayenne S liegt bei 126.400 Euro. Das eigentliche Highlight, der Turbo Electric, startet bei 165.500 Euro und ist bereits sehr umfangreich ausgestattet.

Angesichts der gebotenen Leistung und Technik wirkt das fast schon überraschend konkurrenzfähig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass hier der stärkste Serien-Porsche aller Zeiten auf der Straße steht.

Was bleibt am Ende hängen?

Der Porsche Cayenne Electric ist kein gewöhnliches Elektro-SUV. Er ist ein Statement. Ein Fahrzeug, das zeigt, wie weit Elektromobilität inzwischen ist. Extreme Performance, hohe Alltagstauglichkeit und moderne Technik kommen hier auf eine Art zusammen, die man so bisher selten gesehen hat.

Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob ein Elektroauto sportlich sein kann. Die Frage ist eher, wie viel Sinn diese Art von Leistung im Alltag überhaupt noch ergibt. Aber genau das macht den Cayenne Electric so faszinierend. Er ist nicht vernünftig. Er ist beeindruckend. Ihr mögt es ausführlicher? Dann schaut doch mal drüben auf einfach elektrisch, da haben wir den ausführlicheren Fahrbericht von Wolfgang Schäffer für euch veröffentlicht.

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