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Toyota Aygo X Hybrid

Toyota Aygo X Hybrid

Kleinstwagen mit großem Anspruch? Toyota elektrifiziert sein kleinstes europäisches Modell und macht aus dem Aygo X ein erstaunlich ernstzunehmendes Auto für Stadt, Umland und Pendelstrecken. 3,78 Meter Länge, 1,74 Meter Breite, 1,53 Meter Höhe, 2,43 Meter Radstand, 231 Liter Kofferraum und 116 PS Systemleistung bei nur 85 Gramm CO₂ pro Kilometer nach WLTP. Dazu ein Normverbrauch von 3,7 bis 3,9 Litern auf 100 Kilometer und ein Einstiegspreis von 19.990 Euro in Deutschland. Auf dem Papier soll der Aygo X Hybrid gleich mehrere Versprechen einlösen. Er will das A Segment wieder spannend machen, Effizienz ohne Verzicht liefern und gleichzeitig zeigen, dass auch ein Kleinstwagen sehr erwachsen auftreten kann.

City Car mit Crossover Attitüde

Optisch bleibt der Aygo X ganz klar das Lifestyle Modell im Toyota Portfolio. Die Proportionen kennen wir schon, aber das Facelift macht ihn sicht- und spürbar erwachsener. Die Front trägt einen neuen, stärker dreidimensional gezeichneten Kühlergrill, die Haube wurde überarbeitet, die Scheinwerfer wirken präziser. Insgesamt steht der kleine Crossover robuster auf der Straße. Die schwarzen Kunststoffbeplankungen an den Radläufen bleiben, dazu kommen 17 oder 18 Zoll große Leichtmetallräder, die den Auftritt deutlich aufwerten.

Spannend ist die weiterhin angebotene Zweifarblackierung mit schwarzem Dach, Heck und Seitenschwellern. Sie streckt den Wagen optisch und lässt ihn breiter und satter wirken, als es die reinen Zahlen erwarten lassen. Dazu kommen die von Gewürzen inspirierten Farben wie Zimt, Jasmin, Estragon oder Lavendel. Hier zielt Toyota ganz bewusst auf Kundinnen und Kunden, die ihr Auto als modisches Statement verstehen. Wer es dezenter mag, findet im aktuellen Farbprogramm allerdings nur wenig zurückhaltende Töne. Das ist konsequentes Markenbild, kann aber polarisieren.

Toyota Aygo X Hybrid Fotos

Innenraum: viel Aufwand für das kleinste Segment

Im Innenraum zeigt sich sehr schön, wie weit sich das A Segment vom früheren Sparbrötchen Image entfernt hat. Vier Personen finden brauchbar Platz, vorne sitzt man für ein Auto dieser Größe erstaunlich souverän. Die leicht erhöhte Sitzposition sorgt für gute Übersicht im Stadtverkehr, die flache Dachlinie hilft gleichzeitig, die Stirnfläche zu reduzieren und damit den Luftwiderstand zu senken. Beim Kofferraum bleiben 231 Liter, was im Segment weiterhin zu den besseren Angeboten gehört. Für den schnellen Wocheneinkauf oder zwei Handgepäckkoffer reicht es, beim großen Familienurlaub wird es naturgemäß eng.

Neu an Bord ist ein digitales 7 Zoll Kombiinstrument, das das bisherige kleinere Display ersetzt. Die Bedieneinheit für die Klimafunktionen wurde überarbeitet, wirkt klarer und aufgeräumter. Je nach Ausstattung sind Mittelkonsole und Armaturenträger mit gesprenkelten oder marmorierten Dekoren versehen, dazu kommen farbige Einsätze und Sitzbezüge mit eingeprägtem X Muster oder den neuen SakuraTouch Einsätzen. Zusammen mit dem Kunstlederlenkrad entsteht ein Innenraum, der deutlich mehr nach Kleinwagen Oberklasse aussieht als nach klassischem City Car.

Bei der Ausstattung geht Toyota ebenfalls in die Vollen. Zwei USB-C Anschlüsse sind serienmäßig, optional gibt es kabelloses Laden, einen digitalen Schlüssel, nanoeX Luftreinigung und ein JBL Soundsystem mit Subwoofer. Man kann sich seinen Aygo X also sehr weit nach oben konfigurieren und landet dann bei einem Kleinstwagen mit Ausstattungsniveau, das man sonst eher aus dem B- oder C-Segment kennt. Das setzt ihn klar vom puristischen Dacia Spring und manchen sehr einfach gestrickten City Cars ab, bringt ihn preislich aber auch in die Nähe größerer Modelle.

Toyota Aygo X Hybrid Innenraum und Details Fotos

Vollhybridtechnik als Alleinstellungsmerkmal

Der wichtigste Schritt passiert unter der Haube. Toyota verabschiedet sich vom 1,0 Liter Dreizylinder Saugbenziner und setzt auf ein 1,5 Liter Vollhybridsystem mit 116 PS Systemleistung. Damit werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h verkürzt sich um mehr als fünf Sekunden, die Normverbräuche sinken trotz deutlich besserer Fahrleistungen auf 3,7 bis 3,9 Liter pro 100 Kilometer. Mit den CO₂ Werten von 85 Gramm pro Kilometer positioniert sich der Aygo X Hybrid als Technologieträger in einem Segment, das viele Hersteller längst aufgegeben haben.

Im Alltag dürfte sich der Hybrid im Stadtverkehr häufig im E Modus bewegen. Anfahren erfolgt leise und lokal emissionsfrei, bei Gaswegnahme rekuperiert der Aygo X verstärkt und segelt effizient durch die Stadt. Ladeplanung und Wallbox interessieren den Fahrer dabei nicht, denn der Akku lädt sich während der Fahrt selbst. Genau das ist die Chance dieses Konzepts. Für Menschen ohne sichere Lademöglichkeit am Stellplatz, die ihren CO₂ Fussabdruck trotzdem spürbar reduzieren möchten, ist ein bezahlbarer Vollhybrid im A Segment ein sehr attraktiver Kompromiss.

Technisch haben sich die Ingenieurinnen und Ingenieure auch beim Packaging etwas einfallen lassen. Die Hybridbatterie mit zwei Zell Stacks liegt längs nebeneinander unter der Rückbank, die klassische 12 Volt Batterie wandert unter den Kofferraumboden. So bleiben Radstand und Laderaum unangetastet. Nach außen sichtbar ist der um 76 Millimeter gewachsene vordere Überhang. Er ist der Preis für die Hybridintegration, verändert die Grundproportionen aber nur minimal.

Basis bleibt die GA B Plattform der Toyota Global New Architecture, die auch Yaris und Yaris Cross nutzen. Für den Aygo X Hybrid wurden Fahrwerk, Lenkung und Bremsanlage überarbeitet. Neu sind Scheibenbremsen an allen vier Rädern, die Lenkung arbeitet im Stadtverkehr leichter und der Wendekreis bleibt mit unter zehn Metern extrem klein. Auf dem Papier bleibt der Aygo X damit das klassische Wende und Parktalent, legt aber bei Bremsperformance und Fahrstabilität zu.

Komfort, Geräusche und das Thema e-CVT

Ein großes Thema beim Aygo X Hybrid ist die Geräuschdämmung. Toyota ergänzt nach eigenen Angaben sieben neue Maßnahmen. Dazu gehören zusätzliche Motorraumisolierungen, Abdeckungen am Unterboden sowie dickeres Glas in den höherwertigen Ausstattungen. In Kombination mit dem häufig elektrisch rollenden Hybridantrieb dürfte der Alltagseindruck im Vergleich zum Vorgänger deutlich leiser ausfallen als man es in dieser Klasse gewohnt ist.

Bleibt die klassische Frage bei Toyotas Hybriden. Wie präsent ist das bekannte Aufheulen des Motors beim starken Beschleunigen. Toyota verspricht eine linearere Verbindung zwischen Drehzahl und Beschleunigung, sodass sich das typische e-CVT Gefühl weniger stark bemerkbar machen soll. Auf dem Datenblatt klingt das plausibel. Wie gut es im kleinen Stadtcrossover tatsächlich funktioniert, müssen Fahrtests zeigen. Klar ist aber, dass der Aygo X Hybrid im Alltag vor allem effizient sein will und nicht auf der Autobahnspurrekorde brechen muss. Mit 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, einem Systemoutput von 116 PS, einem Fahrzeuggewicht von rund 1.510 Kilogramm und einem 30 Liter Tank ist er vernünftig motorisiert, ohne ins Sportliche abdriften zu wollen.

Toyota Aygo X Hybrid GR SPORT: viel Optik, etwas Technik

Ganz ohne Sportglanz lässt Toyota den kleinen Hybriden aber nicht laufen. Die neue GR SPORT Variante bringt die Motorsport Submarke Toyota Gazoo Racing ins A-Segment. Außen fällt die Sonderfarbe Mustard mit schwarzer Haube ins Auge, dazu kommen ein G Muster im Kühlergrill und spezielle 18 Zoll Leichtmetallräder. Innen tauchen GR Logos auf, die Materialien wirken hochwertiger und die Sitze tragen sportliche Bezüge mit SakuraTouch und Dinamica.

Toyota Aygo X Hybrid GR Sport Fotos

Technisch bleibt der Unterschied überschaubar, aber relevant. Die Feder Dämpfer Kombination wird straffer abgestimmt, der Stabilisator erhält einen größeren Durchmesser und die elektrische Servolenkung wird neu kalibriert. Das verspricht etwas mehr Direktheit und Fahrspaß, kann im harten Stadtalltag mit Querfugen, Gullideckeln und Schlaglöchern aber auch zu mehr Unruhe führen. Wer vom GR Look begeistert ist, sollte deswegen unbedingt eine Probefahrt auf seinen typischen Pendelstrecken machen. Am Ende zählt, wie wohl man sich im Auto fühlt, nicht nur, wie dynamisch es wirkt.

Sicherheit und Assistenz auf großer Bühne

Beim Thema Sicherheit fährt Toyota im Aygo X ein sehr großes Programm. Toyota Safety Sense ist serienmäßig und umfasst ein aktualisiertes Pre Collision System, das Motorräder, Gegenverkehr und Fußgänger an Kreuzungen besser erkennen soll. Dazu kommen Notbremsfunktion und Ausweichassistent, Spurhaltefunktionen, Spurzentrierung in Verbindung mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung, Verkehrszeichenerkennung, Geschwindigkeitsbegrenzer und ein Fernlichtassistent. Damit erreicht der Kleinstwagen ein Assistenzniveau, das vor wenigen Jahren noch der Kompakt und Mittelklasse vorbehalten war.

Hybrid spezifische Features wie Predictive Efficient Drive und Predictive State of Charge Control sind in dieser Fahrzeuggröße eine Besonderheit. Das Auto lernt wiederkehrende Strecken und typische Verkehrssituationen und plant daraufhin das Laden und Entladen der Hybridbatterie. So kann zum Beispiel vor längeren Gefällestrecken Platz im Akku geschaffen werden oder es wird versucht, Stausituationen möglichst elektrisch zu durchfahren. Technisch ist das beeindruckend, in der Praxis setzt es allerdings voraus, dass die Fahrerinnen und Fahrer das Navigationssystem regelmäßig aktiv nutzen und die Cloud Dienste akzeptieren.

Nachhaltigkeit: mehr als nur Marketingfolie

Toyota verknüpft den Aygo X Hybrid sehr gezielt mit einer Nachhaltigkeitsgeschichte. Über den Lebenszyklus hinweg soll der CO₂ Fussabdruck im Vergleich zum Vorgänger um 18 Prozent sinken. Das ist nicht allein das Ergebnis des effizienteren Antriebs, sondern auch von veränderten Produktionsprozessen und neuen Materialien.

Das neue Sitzmaterial SakuraTouch besteht zu mehr als 40 Prozent aus pflanzlichem PVC, das aus Holznebenprodukten gewonnen wird, nutzt Korkabfälle aus der Weinindustrie und recyceltes PET. Im Vergleich zu klassischem Leder sollen die Emissionen bei der Materialherstellung um rund 95 Prozent sinken. In Mould Färbung ersetzt teilweise spätere Lackierprozesse, im Werk Kolin kommen erneuerbare Energien und optimierte Logistik zum Einsatz. Motoren stammen aus Polen, das Fahrzeug selbst läuft in Tschechien vom Band. Der Aygo X Hybrid ist damit erkennbar ein europäisches Produkt. Für ein Modell im A Segment ist dieser Aufwand bemerkenswert und ein klares Signal, dass Nachhaltigkeit inzwischen kein Luxusfeature mehr ist.

Daten, Segment und die Frage nach der Vernunft

Fasst man die Eckdaten zusammen, ergibt sich ein klares Bild. 3,78 Meter Länge, 1,74 Meter Breite, 1,53 Meter Höhe, 2,43 Meter Radstand, rund 1.510 Kilogramm Gesamtgewicht, 30 Liter Tankvolumen, 17 oder 18 Zoll Räder, 116 PS Systemleistung und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,2 Sekunden. Dazu die WLTP Werte mit 3,7 bis 3,9 Litern Verbrauch und 85 Gramm CO₂ pro Kilometer. Damit schlägt der neue Hybrid seinen leistungsschwächeren Vorgänger beim Verbrauch sehr deutlich und bietet gleichzeitig spürbar mehr Motorleistung. Mehr Hubraum, mehr Leistung, weniger Verbrauch, gerade in dieser Fahrzeugklasse ist das ein starkes Argument.

Gleichzeitig steht das klassische A Segment in Europa unter Druck. Viele Hersteller sind aufgrund steigender Kosten für Sicherheit, Emissionen und Elektronik ausgestiegen. Toyota geht bewusst den anderen Weg. Mehr Technik, mehr Sicherheit, mehr Design und eben Vollhybrid. Das ist mutig und kann genau die Zielgruppe treffen, die sich bewusst für ein kleines, aber vollwertig ausgestattetes Auto entscheidet und bereit ist, für niedrige Verbräuche und moderne Hybridtechnik etwas mehr Geld auszugeben.

Genau hier liegt aber auch die Kehrseite. Mit einem Einstiegspreis knapp unter 20.000 Euro kratzt der Aygo X Hybrid an der Schwelle mancher Kleinwagen und einfacher Kompaktmodelle. Gut ausgestattete Versionen werden realistisch schnell Richtung 25.000 Euro und darüber klettern. Familien, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen, könnten sich fragen, ob ein etwas größerer Gebrauchtwagen oder ein schlichtes B Segment Modell nicht mehr Auto fürs Geld liefert. Der Kofferraum ist für die Klasse in Ordnung, an großen Kinderwagen oder das komplette Urlaubsgepäck stößt man aber weiterhin schnell an Grenzen.

Kleiner Hybrid, großes Statement?

Unterm Strich ist der neue Toyota Aygo X Hybrid deutlich mehr als ein klassisches Facelift. Er ist ein Statement, dass Kleinstwagen nicht automatisch Verzicht, Verzicht und noch einmal Verzicht bedeuten müssen. Der Vollhybridantrieb, das hohe Sicherheits und Assistenzniveau, hochwertige Materialien und ein konsequent durchdachter Nachhaltigkeitsansatz heben ihn klar vom Rest des schrumpfenden A Segments ab.

Loben kann man die effiziente Technik, das clevere Packaging, das umfangreiche Sicherheits und Komfortangebot und den Mut, in dieser Klasse so viel Aufwand zu betreiben. Kritisch bleiben der gestiegene Preis, die Frage, wie alltagstauglich die straffere GR SPORT Abstimmung wirklich ist und der Umstand, dass man bei aller Lifestyle Optik am Ende immer noch ein sehr kleines Auto kauft.

Wer genau das sucht, ein stylisches City Car mit echter Hybridtechnik, ernsthaften Assistenzsystemen und spürbar weniger Verbrauch als bei vielen größeren Vollhybriden, sollte den neuen Aygo X Hybrid definitiv auf die Liste setzen. Wir sind gespannt auf die ersten Fahrtests und darauf, ob er im realen Alltag die versprochene Effizienz auch wirklich einlösen kann. Und mindestens genauso spannend wird die Diskussion mit euch. Würdet ihr für so viel Technik im Kleinstwagen bewusst tiefer in die Tasche greifen oder bleibt für euch ein A Segment Auto in erster Linie eine günstige Mobilitätslösung.

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